Sudden Death – wie alles anfing

..mit dem Fund einer fast schon vergessenen Materialsammlung fing alles an. In einer staubigen Schuhschachtel auf dem Dachboden meines Elternhauses lagen neben dutzenden von Schulheften, Lektüreheften und Büchern, auch etliche dieser Zettelbotschaften, die in der Schule heimlich über und unter den Schulbänken herumgereicht wurden. Kleine, zerknitterte und vergilbte Nachrichten, mit denen man sich also in langweiligen Unterrichtsstunden die Zeit vertrieb um sich gegenseitig mit Gerüchten und Informationen zu versorgen.  Es gab definitiv Wichtigeres als Geschichte bei Herrn Wickbold. Zum Zeitpunkt der Wiederentdeckung besagter Schachtel befand ich mich im ersten Jahr meines Fotografie-Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die Idee, aus dem gefundenen Material ein Buch zu machen, war naheliegend. Neben den aufbewahrten Zettelchen war ebenfalls ein umfangreicher Fundus an Fotografien aus derselben Zeit vorhanden. Als 16-jährige praktizierte ich wohl das, was man heute „lückenlose Dokumentation“ nennen würde.

Mit SUDDEN DEATH ist ein Buch entstanden, das all diese Materialen zusammenbringt und zu einem authentischen Porträt der Jugend verdichtet. Die im Jahr 1999 entstandene Kleinauflage  ist auf dem Farbkopierer eines handelsüblichen Copy-Shops entstanden. Im selben Jahr des Erscheinens der Erstauflage gewann Sudden Death den 3.Platz beim Aenne Biermann Preis für Gegenwartsfotografie in Gera. Die überarbeitete Fassung ist – als Weiterführung des Konzepts von 1999 – im Digitaldruck produziert. Die offizielle Buchvorstellung wird am 31.Mai in der Galerie Loris in Berlin Mitte stattfinden. Bis zum 29. Juni 2013 wird hier die Ausstellung „Sudden Death“ zu sehen sein. Das Buch kann in der Galerie oder über das Kontaktformular dieses Blogs bezogen werden.

Ich habe mich bemüht,  alle im Buch abgebildeten Freunde aus dieser Zeit zu kontaktieren und um ihre Zustimmung zu bitten. Dies ist mir größtenteils auch gelungen. Sollte sich dennoch jemand derer, die nicht ohne weiteres aufzuspüren waren, hier einfinden: bitte meldet euch bei mir! Das Foto und Zettelmaterial habe ich weitestgehend sensibel ausgewählt. Auf Bildern mit „heikleren“ Inhalten wurde darauf geachtet, dass die betreffenden Personen nicht zu erkennen sind.

Julia Müller, im Mai 2013

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